Stickler-Syndrom (Augenerkrankung)

Synonyme: Arthro-Ophthalmopathie, hereditäre progressive
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Kurzbeschreibung

Das Stickler-Syndrom (STL) ist eine autosomal-dominant vererbte Erkrankung mit Symptomen wie Mittelgesichtshypoplasie und Sehstörungen. Die häufigste Form, STL1, resultiert aus Mutationen im COL2A1-Gen. Andere Typen, STL2 und STL3, sind mit den Genen COL11A1 und COL11A2 assoziiert, wobei STL2 dem Marshall-Syndrom ähnelt.

Wissenschaftlicher Hintergrund

Das Stickler-Syndrom (STL) wird autosomal-dominant vererbt und zählt zu den Kollagen-Typ-II-Erkrankungen. Bisher sind über 300 Fälle beschrieben, die Inzidenz wird auf ca. 1:10.000 geschätzt. Charakteristisch für das Stickler-Syndrom sind insbesondere Mittelgesichtshypoplasie (bis zu 100% der Fälle), schwere Sehstörungen durch Myopie (>90%) z.T. bereits bei Neugeborenen, Katarakt und Netzhautablösung (60% der Fälle) bereits im ersten Lebensjahrzehnt, Gaumenspalte (41%), Pierre-Robin-Sequenz (23%)  sowie Gelenkbeschwerden.  Darüber hinaus besteht eine Disposition für Mitralklappenprolaps (40-50% der Fälle) und Schwerhörigkeit (10-50% der Fälle).

Die häufigste Form des Stickler-Syndroms ist der Typ 1, der auf pathogene Varianten im COL2A1-Gen zurückzuführen ist. Durchschnittlich können in 75% der STL-Fälle Varianten im COL2A1-Gen nachgewiesen werden. Bei Patienten mit charakteristischen membranösen Veränderungen des Glaskörpers, die in ca. 60% der Fälle mittels Spaltlampe identifiziert werden können, beträgt die Sensitivität der COL2A1-Sequenzierung ca. 94%. Deletionen in der Größe einzelner Exons bis zum gesamten Gen sind in maximal 1% der STL1-Fälle ursächlich (Hoornaert et al. 2010, Eur J Hum Genet 18:872). Wesentlich seltener sind Stickler-Syndrom Typ 2 und Typ 3, die mit Varianten im COL11A1– bzw. COL11A2-Gen verbunden sind. Das STL2, das ungefähr 6% aller STL-Fälle ausmacht, unterscheidet sich klinisch kaum vom STL1. Allerdings zeigen sich beim STL2 perlenschnurartige Veränderungen am Glaskörper. Die Abgrenzung des STL2 vom Marshall-Syndrom, das unter anderem durch die früh beginnende Schwerhörigkeit und betontere faziale Merkmale gekennzeichnet ist und ebenfalls auf Varianten im COL11A1-Gen beruht, ist z.T. schwierig. Beim sehr seltenen Stickler-Syndrom Typ 3 sind das Fehlen der Augensymptomatik und Varianten im COL11A2-Gen charakteristisch.

Stickler-Syndrom (Augenerkrankung)
4 Gene
COL11A1
COL2A1
COL9A1
COL9A2


zum Auftrag
Erkrankung
ICD—10
Gen
OMIM—G
Stickler-Syndrom Typ 1Q87.8COL2A1120140
Stickler-Syndrom Typ 2Q87.8COL11A1120280
Stickler-Syndrom Typ 5Q87.8COL9A2120260
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Literatur

letzte Aktualisierung: 4.11.2023