Multiple endokrine Neoplasie Typ 1 (MEN1)

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Kurzbeschreibung

Das Multiple endokrine Neoplasie Typ 1 (MEN1)-Syndrom ist eine autosomal-dominant vererbte Erkrankung, die durch Neoplasien verschiedener endokriner Organe gekennzeichnet ist. Die Ursache des MEN1-Syndroms sind pathogene Varianten im Tumorsuppressorgen MEN1, die bei etwa 77% der betroffenen Patienten nachgewiesen werden können. Die Erkrankung bricht jedoch erst nach Ausfall des zweiten Allels aus (Zwei-Treffer-Hypothese nach Knudson).

Wissenschaftlicher Hintergrund

Das MEN1-Syndrom (Multiple endokrine Neoplasie Typ 1) ist charakterisiert durch das Auftreten von Neoplasien verschiedener endokriner Organe. Die Erkrankung folgt einem autosomal-dominanten Erbgang. Die Prävalenz wird mit ca. 1:30.000 angegeben. Klinisch äußert sich MEN1 in der Regel durch eine Hormon-Überproduktion, welche durch den Tumor ausgelöst wird. Etwa 95% der Patienten sind von einem Nebenschilddrüsenadenom betroffen. Des Weiteren zählen Adenome oder maligne Tumoren des endokrinen Pankreases und Duodenums sowie der Adenohypophyse zu den häufigsten Manifestationen. Seltener werden auch dermale Tumoren, Schilddrüsen- und Nebennierenläsionen diagnostiziert. Klinisch gilt das MEN1-Syndrom als gesichert, wenn ein Betroffener in mindestens zwei endokrinen Organen Neoplasien ausbildet.

Ursache des MEN1-Syndroms sind pathogene Varianten im Tumorsuppressorgen MEN1. Es codiert für das Protein MENIN, welches vermutlich in die Regulation der DNA-Synthese und des Zellzyklus involviert ist. Heterozygote Keimbahnvarianten in MEN1 führen nicht unmittelbar zur Entartung. Erst nach Ausfall des zweiten intakten MEN1-Allels durch somatische Varianten kann es zur unkontrollierten Teilung und Entartung der betroffenen Zellen kommen (Zwei-Treffer-Hypothese nach Knudson). Die Penetranz wird bei Anlageträgern mit 90% bis zum 50. Lebensjahr angegeben.

Bei etwa 77% der Betroffenen mit familiärem MEN1 (wenn neben dem Betroffenen ein weiterer Blutsverwandter MEN1-assoziierte Symptome aufweist) können Keimbahnvarianten in MEN1 nachgewiesen werden. Die Detektionsrate bei MEN1-Patienten ohne auffällige Familienanamnese beträgt etwa 68%. Bei ca. 10–20% der Patienten kann keine kausale Variante im codierenden Bereich des Gens nachgewiesen werden.

Die genetische Untersuchung des MEN1-Gens wird empfohlen bei:

  • Auftreten von mindestens zwei MEN1-assoziierten Neoplasien bei einem Betroffenen
  • Hyperparathyreoidismus vor dem 40. Lebensjahr
  • Gastrinom oder Inselzelltumor des Pankreas
  • Rezidiv eines pHPT, V.a. Mehrdrüsenhyperplasie

Trägern einer pathogenen Variante wird ein systematisches Vorsorgeprogramm empfohlen, beginnend ab dem 16. Lebensjahr (bzw. 10 Jahre vor dem jüngsten Erkrankungsalter in der Familie). Die prädiktive genetische Untersuchung von Risikopersonen bei bekannter pathogener Variante wird derzeit ab dem 16. Lebensjahr empfohlen und kann kann nach erfolgter genetischer Beratung durchgeführt werden.

Hinweis zur prädiktiven Diagnostik:

Bei der prädiktiven Diagnostik werden gesunde Risikopersonen untersucht, in der Regel erstgradige Verwandte von Betroffenen. Laut Gendiagnostikgesetz (GenDG) soll bei jeder diagnostischen genetischen Untersuchung eine genetische Beratung angeboten werden. Bei prädiktiver genetischer Diagnostik muss laut GenDG vor der Untersuchung und nach Vorliegen des Resultats genetisch beraten werden (§10, Abs. 2 GenDG).

Multiple endokrine Neoplasie Typ 1 (MEN1)
1 Gen
MEN1


zum Auftrag
Erkrankung
ICD—10
Gen
OMIM—G
--MEN1613733
Literatur

letzte Aktualisierung: 30.10.2023