Kraniosynostose

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Kurzbeschreibung

Kraniosynostosen sind vorzeitige Verknöcherungen von Schädelnähten, die zu veränderten Kopfformen führen und in 1 von 2.000-3.000 Fällen auftreten. Sie können isoliert vorkommen oder als Teil komplexer Syndrome wie dem Apert-, Crouzon-, Muenke-, Pfeiffer- und Saethre-Chotzen-Syndrom. Die meisten dieser Syndrome werden autosomal-dominant vererbt und beruhen auf genetischen Veränderungen, insbesondere in den Fibroblasten-Wachstumsfaktor-Rezeptor-Genen (FGFR) oder im TWIST1-Gen.

Wissenschaftlicher Hintergrund

Als Kraniosynostose wird die vorzeitigeVerknöcherungvonSchädelnähten bezeichnet. Daraus ergibt sich in Abhängigkeit davon, welche Schädelnähte von der Synostose betroffen sind, ein verändertes Schädelwachstum mit z.T. charakteristischen Kopfformen. Die meisten primären Kraniosynostosen sind angeboren und können isoliert oder als Teilsymptom verschiedener komplexer Syndrome auftreten. Die Gesamthäufigkeit liegt bei 1:2.000-3.000. Neben exogenen Ursachen (z.B. extreme Frühgeburt, Valproat-Embryopathie u.a.) werden bei ca. 25% aller Kraniosynostosen monogene Ursachen gefunden.

Abb.: Schematische Darstellung einiger Kraniosynostosen

Die komplexen Formen zeigen eine oder mehrere Synostosen und z.T. weitere Symptome einer pathologischen Entwicklung knöcherner Strukturen wie z. B. Syndaktylien. Zu den klassischen Kraniosynostosesyndromen zählen:

Diese Syndrome werden autosomal-dominant vererbt und beruhen mit Ausnahme des Saethre-Chotzen-Syndroms auf Veränderungenin den Genen der Fibroblasten-Wachstumsfaktor-Rezeptoren (FGFR12 und 3. Das Saethre-Chotzen-Syndrom wird meist durch pathogene Veränderungen des TWIST1-Gens verursacht. Zwischen den Syndromen gibt es klinisch Überlappungen.

Unter den isolierten Formen sind die Sagittalnaht- bzw. Metopicasynostose mit einem Anteil von ca. 50% die häufigsten, sie haben aber nur in weniger als 1% nachweisbare genetische Ursachen, am ehesten Varianten in TWIST1. Bei einseitigen Koronarnahtsynostosen werden ursächliche Varianten in ca. 13% gefunden, bei beidseitigen Koronarnahtsynostosen in ca. 60%, bei Synostosen mehrerer Nähte in ca. 15%. Häufigste Ursache isolierter Koronarnahtsynostosen sind zur Haploinsuffizienz führende Varianten in TCF12.

Die molekulare Ursache der vorzeitigen Nahtverknöcherung ist noch nicht im Einzelnen verstanden. Die beteiligten Fibroblasten-Wachstumsfaktor-Rezeptoren sind Tyrosinkinase-Rezeptoren, die in der Ossifikation eine wichtige Rolle spielen. TWIST interagiert mit FGFR.

Komplikationen sind Erhöhung des intrakraniellen Drucks, Sehbeeinträchtigung und Hörstörungen und bei einigen der Syndrome auch eine Entwicklungsverzögerung. Die Therapie ist operativ.

Kraniosynostose
28 Gene
ALPL
ALX4
CDC45
COLEC11
EFNB1
ERF
ESCO2
FGFR1
FGFR2
FGFR3
GLI3
IFT122
IFT140
IFT43
IHH
IL11RA
IMPAD1
MYH3
P4HB
POR
RAB23
RECQL4
RUNX2
SCARF2
SEC24D
SMAD6
TCF12
TWIST1


zum Auftrag
Erkrankung
ICD—10
Gen
OMIM—G
Jackson-Weiss SyndromQ75.0FGFR2176943
Robinow-Sorauf-SyndromQ75.0TWIST1601622
Trigonozephalie Typ 1 (TRIGNO1)Q75.0FGFR1136350
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Literatur

letzte Aktualisierung: 4.11.2023