Klonale Hämatopoese

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Kurzbeschreibung

Klonale Hämatopoese (CH) ist ein bei älteren Personen häufig vorkommendes Phänomen, das mit einem erhöhten Risiko für hämatologische Neoplasien, kardiovaskuläre Erkrankungen und erhöhte Sterblichkeit assoziiert ist. Sie ist definiert als klonales Wachstum hämatopoetischer Zellen, wobei CH von unbestimmten Potential (CHIP) bei Personen ohne hämatologische Störung auftritt und bestimmte genetische Varianten aufweist. Obwohl CHIP überwiegend gutartig ist, besteht ein jährliches Progressionsrisiko zu malignen Zuständen von 0,5-1%, welches durch Faktoren wie Klongröße, Anzahl genetischer Varianten und spezifische Genvarianten beeinflusst wird. Die Diagnose klonale Zytopenie unbestimmter Signifikanz (CCUS) erfordert neben dem Nachweis von somatischen Treibervarianten auch persistierende unerklärte Zytopenien, wobei das Progressionsrisiko zu myeloischen Neoplasien ähnlichen Faktoren unterliegt wie bei CHIP.

Wissenschaftlicher Hintergrund

Eine klonale Hämatopoese (CH) tritt häufig bei älteren gesunden Personen auf und ist mit einem erhöhten Risiko für hämatologische Neoplasien, kardiovaskuläre Erkrankungen und Gesamtmortalität assoziiert. Ab einem Alter von 65 Jahren nimmt die CH stetig zu und betrifft zwischen 10-40% der älteren Personen. Die CH wird generell als klonales Wachstum hämatopoetischer Zellen aus betroffenen Stamm- oder Vorläuferzellen unabhängig von der Ursache oder vom Krankheitszustand betrachtet.

Von der klonalen Hämatopoese von unbestimmten Potential (CHIP) spricht man hingegen, wenn eine CH mit Leukämie-assoziierten somatischen Treibervarianten mit einer Varianten-Allel-Frequenz (VAF) >=2% im Blut oder Knochenmark bei Personen ohne diagnostizierte hämatologische Störung oder ungeklärte Zytopenie nachgewiesen wird. Neben dem Altern als dominierender Risikofaktor, korrelieren auch Rauchen, männliches Geschlecht, Exposition zu zytotoxischen Therapien als auch eine aplastische Anämie mit einem erhöhten Risiko für bestimmte genetische Varianten. Die häufigsten Varianten bei CH finden sich in den wichtigsten epigenetischen Modifikatoren DNMT3A, TET2 und ASXL1. CHIP verhalten sich überwiegend gutartig, zeigen aber eine maligne Progression mit einer Rate von 0,5-1%/Jahr, abhängig von den detektierten Varianten (größeres Risiko bei Varianten in TP53U2AF1SRSF2IDH2IDH1SF3B1 und ASXL1). Große Klone oder multiple Varianten sind mit einem erhöhten Risiko der Progression in eine myeloische Neoplasie assoziiert.

Die Diagnose klonale Zytopenie unbestimmter Signifikanz (CCUS) benötigt den Nachweis von Leukämie-assoziierten somatischen Treibervarianten mit einer Varianten-Allel-Frequenz (VAF) >=2% im Blut oder Knochenmark oder klonaler chromosomaler Veränderungen in myeloischen Zellen, eine oder mehrere unerklärbare persisitierende Zytopenien für mehr als 4 Monate sowie das Fehlen diagnostischer Kriterien für definierte myeloische Neoplasien bei der Knochenmarkuntersuchung.  Wie bei CHIP steigt das Risiko einer Progression von CCUS zu einer myeloischen Neoplasie mit der der Größe des Klons, der Anzahl vorhandener somatischer Varianten als auch spezifischer Genvarianten (TP53PPM1DJAK2RUNX1SF3B1SRSF2U2AF1IDH2 und IDH1) an.

Literatur

letzte Aktualisierung: 3.11.2023