AFP im Serum

Synonyme: Alpha-1-Fetoprotein (Serum), α-1-Fetoprotein (Serum)
Analytisches Labor
Material
Material:
  • Serum
Probenmenge
Probenmenge:
1 mL
Untersuchungsdauer
Befundrücklauf:
täglich (Mo - Fr: 8.00 Uhr - 18.00 Uhr)
Standort
Standort:
Martinsried
Nachforderungszeitraum
Nachforderung:
2 Wochen
Methode
Methode:
  • CMIA
Einheiten
Einheit:
kU/L
Akkreditierung
Akkreditierung:
akkreditiert für die Bestimmung in Serum

Proben-Abnahmegefäße

Allgemeine Informationen

Alpha-Fetoprotein (AFP) ist ein fetales Transportprotein und funktionelles Pendant zu Albumin. Es wird während der Embryonalentwicklung vorwiegend von fetalem Lebergewebe und entodermalem Gewebe gebildet.

Nach der Geburt fällt die AFP-Konzentration physiologisch ab. Bei Neugeborenen und Kindern müssen deshalb altersabhängige Referenzbereiche berücksichtigt werden. Eine erhöhte, kontinuierlich abfallende AFP-Konzentration kann bis zum zweiten Lebensjahr physiologisch sein.

Indikation

Die Bestimmung von AFP ist insbesondere indiziert zur:

  • Verlaufsbeurteilung des hepatozellulären Karzinoms, insbesondere zur Beurteilung des Therapieansprechens und bei Verdacht auf ein Rezidiv
  • Ergänzung des HCC-Screenings bei Personen mit Leberzirrhose, fortgeschrittener Leberfibrose oder anderen HCC-Risikokonstellationen
  • Diagnostik und Verlaufsbeurteilung bestimmter Keimzelltumoren, insbesondere von Dottersacktumoren sowie von embryonalen Karzinomen und gemischten Keimzelltumoren mit Dottersackkomponente
  • Diagnostik des Hepatoblastoms im Kindesalter; bei etwa 80–90% der betroffenen Kinder ist AFP erhöht

Bei extrakraniellen Keimzelltumoren ist die diagnostische Aussagekraft von AFP vom histologischen Subtyp abhängig. Ein erhöhter Wert spricht insbesondere für eine Dottersackkomponente.

Bedeutung beim HCC

AFP kann im Rahmen der HCC-Verlaufsdiagnostik eingesetzt werden. Die alleinige AFP-Bestimmung reicht jedoch nicht zur Früherkennung oder Diagnosesicherung eines HCC aus und ist der Sonografie zur Früherkennung unterlegen. Die aussagekräftigste Anwendung erfolgt in Kombination mit der Abdomensonografie.

Deutlich erhöhte AFP-Werte sind insbesondere bei gleichzeitig suspektem sonografischem Leberbefund weiter abklärungsbedürftig.

Präanalytik und Befundinterpretation

Bei der Verlaufsbeurteilung sollten serielle Messungen unter Berücksichtigung des zeitlichen Verlaufs erfolgen. Bei der Interpretation während einer onkologischen Behandlung sind die Halbwertszeit von AFP von etwa fünf Tagen und ein möglicher vorübergehender Anstieg durch therapieinduzierten Tumorzellzerfall zu berücksichtigen.

Bei Kindern müssen physiologische altersabhängige Konzentrationen von krankheitsbedingten Erhöhungen unterschieden werden. Dies gilt insbesondere in den ersten beiden Lebensjahren.

Limitationen

Eine AFP-Erhöhung ist nicht tumorspezifisch. Differenzialdiagnosen umfassen unter anderem das Hepatoblastom, das hepatozelluläre Karzinom, Leberentzündungen, das Pankreatoblastom und eine hereditäre AFP-Persistenz.

Bei Keimzelltumoren schließt ein normaler AFP-Wert einen Tumor nicht aus, da die AFP-Produktion vom histologischen Subtyp abhängt. Ein reines Seminom und ein reifes Teratom sind typischerweise nicht mit einer AFP-Erhöhung verbunden.

Bei der Primärdiagnostik eines Keimzelltumors ist die Höhe des AFP-Wertes allein nicht mit einer schlechteren Prognose gleichzusetzen.

Störfaktoren

Wesentliche Einfluss- und Störfaktoren

  • Methodenwechsel: Ergebnisse verschiedener AFP-Assays sind nicht direkt austauschbar. Verlaufskontrollen sollten mit demselben Testverfahren durchgeführt werden.
  • HAMA: Humane Anti-Maus-Antikörper können ungewöhnliche Messwerte verursachen.
  • Heterophile Antikörper: Können mit den Antikörpern des Reagenzes reagieren und das Ergebnis beeinflussen.
  • Amniozentese: Blutproben von Schwangeren müssen vor der Amniozentese entnommen werden. Nach der Amniozentese kann AFP im mütterlichen Serum oder Plasma erhöht sein.
  • Schwangerschaftsalter: Eine falsche Zuordnung der Schwangerschaftswoche kann zu einer fehlerhaften Risikobewertung führen.
  • Weitere mütterliche Einflussgrößen: Körpergewicht, insulinpflichtiger Diabetes und Mehrlingsschwangerschaft können die AFP-Konzentration beeinflussen.

Geprüfte endogene Störsubstanzen

Die Untersuchung erfolgte bei AFP-Konzentrationen von ungefähr 10 und 1.000 ng/mL. Die Abweichungen lagen innerhalb von ±10 %.

StörsubstanzGeprüfte Konzentration
Unkonjugiertes Bilirubin20 mg/dL
Konjugiertes Bilirubin20 mg/dL
Hämoglobin500 mg/dL
Gesamtprotein12 g/dL
Triglyceride3.000 mg/dL

 

Bei HAMA- und Rheumafaktor-positiven Proben lag die Wiederfindung innerhalb von 100 % ±10 %. Bis zu einer AFP-Konzentration von 10.000.000 ng/mL wurde kein High-Dose-Hook-Effekt festgestellt

Referenzbereich / Cut-offs

0.7 – 7.3 kU/L
Letzte Aktualisierung : 12.10.2026